Restaurierung einer Höfner " Hofner"Jazzgitarre
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Hier zeige ich eine Herausforderung der besonderen Art.
Dieses Schätzchen hatte schon einige unschöne Reparaturen hinter
sich und sie musste erst einmal wieder aus dem Dornröschenschlaf
geweckt werden.
Diese Jazzgitarre ist laut Besitzer aus dem Baujahr 1961
und wurde in der "Goldenen Zeit" Anfang bis mitte der Sechziger
gebaut. Auffallend sind die "flower pot inlays" der Kopfplatte
und die hochwertigen Furniereinlagen auf der Rückseite. Das Ebenholz
Griffbrett ist mit "bow tie" Perlmutt Einlagen bestückt.
Decke und Boden sind aus laminierter Fichte und schön geflammtem
Ahorn. Alles Zeichen für besonders hochwertige Meistergitarren aus
dieser Zeit.
Aber bis alles wieder in alter Schönheit glänzt,
ist einiges an Arbeit noch zu tun! Folgende Fotos dokumentieren den Zustand
vor der Restaurierung. Auffällige Schäden waren:
- Halswinkel nach "Hobby-Ponalatacke" zu flach = Neck Reset
- Starkes Klappern aus dem Korpusinneren = lose Bebalkungen
- Einlagen am Kopf ausgerissen, teilweise mit Weißleim aufgefüllt
= erneuern
- Halsbruch unverputzt aber stabil = säubern und verschließen
- Klebriger Öllack mit Wollpullover Fusseln im Armbereich = alte
Lackierung entfernen und erneuern
- Achsen der Potis zu klein, drehen im Holz durch = erneuern
Obwohl die Brücke ganz unten ist und auch schon
die Rändelmuttern weg sind, ist die Saitenlage zu hoch und die
Pickups werden beim Spielen berührt. Im Rechten Bild sieht man
gut die klebrige Öl-Oberfläche samt Falten.
Auch wurde bei der vorangegangenen "Lackierung"
Schmirgelpapier in der Körnung 40 verwendet, wie man an den Schleifspuren
sehen kann.
Die Kopfplatte: Weinblatt mit Leim aufgefüllt, Dots
fehlen, Holz beim Mechaniken Einbau weggesprengt - ein Jammerbild! Auch
der Nullbund wurde entfernt und mit einer Unterlage aus Fender Plektren
"künstlerisch" ergänzt.
Abgewetzte Stellen links, im Rechten Bild die Weißleim
Fuge (Typ "Mut zur Lücke") und die viel zu weit abgefeilten
Bund-Enden. Abrutschen garantiert!
Angebrochener Hals an der Kopfplatte.
Entfernt man den Hals, sieht man erst, wie fehlendes Binding
ersetzt wurde und in welcher Menge Weißleim eingeschüttet wurde.
Potis gibt es mit der 8mm oder 10mm Achse. Hier hatte man
anscheinend nicht die richten zur Hand und so sollte die Mutter wohl den
2mm rundherum befindlichen Spalt abdecken und gleichzeitig gegen Verdrehen
sichern. Das ist halt Pfusch.
Nachdem die Anbauteile demontiert, der Hals entfernt wurde,
habe ich angefangen, die alte Oberfläche zu entfernen. Als Lösemittel
hat sich Nitro bestens geeignet. Besonders im rechten Bild sieht man das
schöne, originale Blond. Die Rückseite hatt schon einen ordentlichen
Schaden gehabt und bei der Reparatur wurde das schöne Ahorn Funrier
durchgeschliffen. Da muss bei der Lackierung dann die Grundfarbe angepasst
werden.
Die Kopfplatte wird gereinigt, die Fehlenden Einlagen werden
abgepaust und aus Perlmutt ausgeschnitten und eingelegt.
Das fehlende Dot muss ich selbst herstellen, der Durchmesser
ist nicht Standard. Fehlstellen im schwarzen Holz werden mit gefärbtem
Epoxi aufgefüllt.
Durch die Pickup Ausfräsungen sieht man auf die Balken. Drückt
man mit einem Schraubenzieher dagegen, klaffen diese weit weg. Die losen
Balken sind aufwändig zum Befestigen. Mit langen Spateln und stark
gekrümmten Fingern kommt man schon an die Stellen, die Leim benötigen.
Mit Keilen und Zwingen werden die Balken zum trocknen des Leims befestigt.
Der Halsausschnitt hat gelitten und muss auch gepflaster werden.
Da der Bruch stabil ist, wird dieser ausgebessert und geschliffen. Der
Halsausschnitt wird dem Halswinkel angepasst und mit Hautleim befestigt.
Während des Lackiervorganges werden die Ungleichheiten in der Farbe
mit den Farben der angrenzenden Flächen ausgebessert (Touch Up).
Einige Zwischenschliffe sind notwendig. Das gute Stück wird mit
hochglanz Nitrolack lackiert.
Die Elektrik wird neu aufgebaut. Hierzu wird sie außerhalb in den
richtigen Kabellängen verdrahtet und dann mit Pinzetten und Klemmen
an die richtigen Stellen buchsiert.
Die Anbauteile kommen wieder drauf, ein neuer Sattel wird
angefertigt und natürlich die Saiten auch.
So, nun sieht sie wieder nach einer Schönheit aus -
und so klingt sie auch!
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