Die Erstellung einer Piezo Bridge
Hier zeige ich die Erstellung eines Saitenhalters aus
Holz für eine E-Gitarre.
Gitarren mit der Möglichkeit sowohl elektrischer als auch
akustischer Tonabnahme sind eine riesige Bereicherung auf der Bühne. Man
hat so die Möglichkeit, aus einer Brettgitarre Klänge wie aus einer Akkustikgitarre
zu bekommen. Ich kenne verschiedene Brücken aus Metall. Es gibt sie auf
Basis der Fender Tremolos, Gibsons LP Bridges und auch als einteilige
Saitenhalter. Ich werde in diesem Artikel den Bauversuch eines einteiligen
Saitenhalters aus Ahorn mit eingebautem, zweiteiligen Piezo Tonabnehmers
dokumentieren. Leider muss ich vorher sagen, dass diese Bridge zwar tonmässig
hochrangig war, die Konstruktion um die Einschraubhalter aber zu wenig
steif war, sodass sich die Brücke nach etwa 2 Wochen in Saitenzugrichtung
neigte. Würde der Abstützbereich der Schrauben aus Metall ausgeführt
werden, hätte man diesen Effekt nicht. Also, nicht verzagen sondern
weiterprobieren.
Das Prinzip:
Das Prinzip des Saitenhalters ist einfach. Die Saiten laufen
vom Griffbrett kommend über eine zweiteilige Knocheneinlage mit unterlegten
3-fach Piezo Element. Sie winden sich dann 180° um den Holzkorpus
und enden in 6 Saitenbuchsen einer Telecaster (Aufnahme der Saitenenden).
Der Bridge-Korpus hat in 82mm Abstand zwei Aufnahmefräsungen für
die Schraubfüsse einer Les Paul Junior. Über eine Parallelschaltung
werden die die Tonabnehmer zusammengeschalten und ein einem kleinen Vorverstärker
einer Akustikgitarre (9V) vorverstärkt.
Herstellung Piezo Tonabnehmer (TA):
Der Knackpunkt für den Sound meine ich ist, den richtigen
Piezo Tonabnehmer (Keramikmaterial) zu verwenden. Der charakteristische
Klang eines Piezos ist normalerweise eher höhenlastig und metallern, das
war auch lange Zeit der Grund dafür, diese nicht auf Metallreitern
wie in der E-Gitarre zu verwenden. Durch die Wahl weicherer, filternder
Klang-Leitmaterialien nimmt man Einfluß auf diese Eigenschaft. Stützt
man die Saiten durch Knochen ab, überträgt dann die Saitenschwingung mit
Holz, hat man ähnliche Randbedingungen wie auf der akustischen Gitarre.
Natürlich hat diese Materialkombination wieder Rückwirkungen
auf die elektromagnetischen Eigenschaften der Gitarre wegen fehlender
metallischer Härte, hier kann man mit gutem Gewissen aber Kompromisse
schließen da die magnetischen PU's äüßerst dominant
sind..
Da ich natürlich auch nicht die Ergebnisse der Piezo
Materialforschungen kenne, nehme ich altbewährte Akustik Piezos aus
einem Schaller Tonabnehmer (#090). Akustik TA's haben im Kern fast immer
folgenden Aufbau:
- 6x Piezo Elemente, jedes Element ist nur an Ober- und Unterseite
leitfähig
- Einseitig kaschierte Leiterplatte (0,5mm dick) auf dieser stehen
im richtigen Abstand (ca. 11mm) die Piezo Elemente. Die Kaschierung
(Kupferfläche) stellt den Kontakt des Elements an der Unterseite
her.
- Um diesen Aufbau ist eine einseitig klebende Kupferfolie wie
sie auch zu Abschirmungszwecken verwendet werden, gebogen. Diese Rechteckige
Kupferröhre stellt den Kontakt an der Oberseite der Keramiken her.
Die Klebefrläche auf der Innenseite fixiert die Piezo Elemente.
Die Leiterplatte schließt an einem Ende bündig ab und steht
an der Kontaktseite ca. 6mm über um Kontaktfläche herzustellen.
- Einpolig abgeschirmtes Anschlußkabel. Diese wird an die
überstehende Leiterplatte und die Kupferfolie gelötet.
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Also TA in die Einzelteile zerlegt, die Leiterplatte in zwei Teile zerlegt,
Piezo's ausgemessen und auf der Leiterplatte positioniert. Neue Kupferfolie
abgelängt, an einem Plastiklineal vorgebogen und den Aufbau eingewickelt.
Den TA kurz an den Vorverstärker angeschlossen um die Funktion zu
überprüfen (Klopfen muss gleichlaute Geräusche ergeben),
die Teilstücke auf ein Kabel gelötet und auf Paßform getestet
- fertig.
Herstellung Holzkorpus:
Da ich die Konstruktion vorher gezeichnet hatte, machte ich mir eine
Schablone aus Plexiglas um die ich mit dem Anlaufring der Oberfräse
herumfräsen konnte, die Nut für den Piezo Kanal fäste ich
ebenfalls damit. Um eine optimale Kraftverteilung zu bekommen, wählte
ich enganliegende Jahresringe und etwa 45° in Halsrichtung geneigte
Jahresringe.
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Noch während des Herrichten des Holzes gefiel mir die die einfache
From nicht mehr und ich entschied mich für das, was man auf den Fotos
sieht. Nachdem die Form herausgearbeitet war bohrte ich die Saitenlöcher,
dann die Löcher für die Hülsen. Für die Madenschrauben
zur Einstellung der Saiten Kompensation verwendete ich M3 Setzmuttern.
Für das Fräsen des 2,5mm breiten Kanals klebte ich die Schablone
mit Teppichklebeband auf die Unterseite, montierte einen Zylinderstift
gleichdick wie der Fräser selber auf der Unterlage und konnte so,
nach dem Einstechen des Fräsers, der Schablone folgend sehr genau
fräsen. Die Saitenführungen kerbte ich noch mit einem Messer
und mit Schmirgelpapier verrundete ich das ganze und ab ging's in die
Oberfläche.
Auf den Fotos sieht man Details noch vor dem Polieren.
Da die Saiten gegen Brumm geerdet sein müssen, klebte ich
kleine Streifen Kupferfolien in die Hülsenlöcher und ließ
diese auf der Unterseite 5mm überstehen. Als Querverbindung
klebte ich noch einen 3mm Streifen über alle 6 Streifen und
verlötete diese, auch mit der Abschirmung des Anschlußkabels.
Die Hülsen wurden nun eingepresst, die Setzmutter gesetzt,
der Piezo positioniert, Knochenstücke eingesetzt.
Ich baute den fertigen TA in einen Prototypen ein, besaitete diese,
stellte die Kompensation ein, verkabelte die Sache und war schon
gespannt! Das klangliche Ergebnis war hervorragend! Sehr natürliche
Wiedergabe. Doch leider, wie ich schon eingangs schrieb, drückten
die Bolzen in das Holz und der TA senkte sich nach 2 Wochen, sodass
es mir nicht wohl war, und ich eine LP Jinior Bridge montierte.
Ergebnis:
Klangergebnis wie erwartet, Viel gelernt! Nochmal mit festeren
Materialien probieren, evtl. Einsatzlöcher verstärken
oder einen Sandwich aus Metall und Holz machen.
Zuletzt geändert am 16.04.2001
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