Spalten oder Sägen des Holzes
Hier möchte ich auf das Zerteilen der Stammware
eingehen.
Zerteilt man das Holz, muss ein möglichst optimaler
Kompromiss zwischen qualitativ hochwertigem Roh-Tonholz und dem genauso
teuer erstandenen abfallenden Restholz gemacht werden.
Es stellen sich folgende Fragen:
- Wie zerteile ich einen geometrischen Zylinder in solche Stücke,
dass ich sie für meinen Zweck gebrauchen kann?
- Für welches Instrument brauche ich welches Holz? Baue ich Geigen,
Cellos, Kontrabässe, Gitarren, Lauten usw? Jedes Instrument benötigt
bestimmte Standardmaße und da ich natürlich kein Tausensassa
auf allen Instrumenten bin, muss ich mich auf bestimmte Maße konzentrieren.
Fallen Reste an, muss ich wissen, in welche Maße kann ich weiter
zerteilen, evtl. kann lässt sich etwas kleineres Holz ja weiter
verkaufen?
- Welche Maschinen, Möglichkeiten können zur Weiterverarbeitung
genutzt werden?
Theoretische Geometrie:
Tonholz zur Klangerzeugen ist dann optimal zerteilt, wenn
bei möglichst dünnem Holz die höchste Steifigkeit vorliegt.
Das hat man dann, wenn in Decken, Böden und Zargen nur stehende Jahresringe
vorhanden sind. Man spricht dann von stehenden Jahresringen, wenn die
Jahresringe parallel zur schmalen Außenfläche (oder im rechten
Winkel zur breiten) verlaufen. Ziel der Tonholzgewinnung muss es sein,
möglichst viele verwendbare Abschnitte aus einem Stammdurchmesser
zu bekommen. Folgend einige theoretische Überlegungen dazu.
Verwende ich einen Stammabschnitt und versuche, nur Gitarrendecken
als Brettchen und Keile für Jazzgitarren herzustellen, bringen Schachtelungsversuche
solche Ergebnise:
Teilt man den Stamm in 60 Keil-Stücke a 6° und berücksichtigt
man dabei etwa 2cm nicht zu verwendende Randschicht und 8cm Kern, muss
der Stamm im linken Fall 85cm und im rechten Fall (30 Brettchen und 30
Keile) 88cm stark sein!
In obiger Optimierung bekommt man bei einem Durchmesser von 75cm schon
34 Keile und 32 Brettchen.
Bei einem Durchmesser von 60cm könnte man 36 Stück Halskanteln
mit liegenden Jahresringen und 12 mit stehenden Jahresringen erzeugen.
Wie mir natürlich bewusst ist, dass es kein Holz in einer Qualität
gibt, dass ich das Zerteilen am Reißbrett planen könnte, so
brachte mich die Beschäftigung mit der Materie doch bei der Sägevorrichtungsplanung
ein Stückchen weiter. Welche Winkel und welche Dicken müssen
geschnitten werden?
Standardmaße für Tonholz:
Die unten stehenden Maßangaben beziehen sich auf Trockenmaße!
Es ist unbedingt beachtet werden, dass durch den Trocknungsprozess das
Holz schwindet. Jede Holzart hat für die Maßveränderungen
spezielle Werte. Franz Jahnel gibt folgende Werte an:
| Holzart |
radial % |
tangential % |
längs % |
Rauminhalt |
| Fichte |
3,6 |
7,8 |
0,3 |
4,1 |
| Bergahorn |
5,0 |
8,0 |
0,4 |
5,0 |
| Palisander |
5,3 |
9,9 |
0,4 |
6,3 |
| Mahagoni |
2,4 |
4,4 |
0,1 |
1,4 |
| Ebenholz |
3,1 |
6,5 |
0,2 |
3,1 |
- **radial: entlang des Radius
- *tangential: entlang des Jahresringes
- ***längs: Länge entlang des Stammes
Übliche Tonholzmaße:
| Gitarre (Klassik) |
Decke/Boden |
2Stück 530 x 190-200 x 4-5
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| Zargen |
2Stück 800 x 110 x 3
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| Griffbrett |
500-510 x 60-70 x 8-9
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| Halsrohling |
650 x 80 x 25
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| Gitarre (Western) |
Decke/Boden |
2Stück 560 x 215 x 5
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| Zargen |
2Stück 850 x 125 x 4
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| Griffbrett |
700 x 76 x 8
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| Halsrohling |
650 x 80 x 80
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| Gitarre (Jazz) |
Decke/Boden |
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| Zargen |
|
| Griffbrett |
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| Halsrohling |
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| Gitarre (E-) |
Aufleimer |
2Stück 500 x 190 x 10-20
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| Body |
2Stück 500 x 190 x 52
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| Halskantel |
700 x 100 x 26/30
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| Griffbrett |
500 x 75/55 x 8
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| Bass (E-) |
Griffbrett |
45/70 x 730 (4-saiter)
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52/85 x 730 (5-saiter)
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60/97 x 730 (6-saiter)
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| Aufleimer |
2Stück 550 x 190 x 10-20
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| Body |
2Stück 550 x 190 x 45/52
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| Halskantel |
870 x 110 x 26/30
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Spalten oder Sägen?
Wie eingangs bereits erwähnt, muss gutes Tonholz möglichst
viele "stehende Jahresringe" besitzen. Das ist eigentlich nicht
ganz korrekt. Oftmals wird dabei nur über die leicht sichtbare Querschnittsfläche
am Sägeschnitt gesprochen. Genauer betrachtet muss der Jahresring
auch Rechtwinklig in die dritte Dimension (Tiefe) stehen, sich also geradwinklig
durch das ganze Brett ziehen.
Stellt man sich den Stamm als Bündel Strohhalme vor (Zellen der Holzstruktur
schauen vereinfacht so aus), muss man beim zerteilen versuchen, die Brettchen
so zu gewinnen, dass möglichst wenige Strohhalme seitlich aufgeschnitten
werden.
In Holz mit stehenden Jahresringen sieht man den besonders bei Fichte
begehrten "Markspiegel". Schaut man sich ein fertiges Instument
mit Fichtendecke einmal gegen das Licht an, so kann man bei leichtem Kippen
der Gitarre nach hinten erkennen, ob eine der gespiegelten Deckenhälften
etwas Dunkler wirkt wie die andere. Das ist ein sichers Zeichen dafür,
dass die Decke gesägt wurde. Je unterschiedlich dunkel die Hälften
wirken, umso mehr Zellfasern ("Strohhalme") wurden angeschnitten.
Sucht man rohes Tonholz für eine Decke aus, so kann man am Biegewiederstand
des Brettchen ähnliches feststellen. Kann man ein Brettchen nämlich
leichter als andere Brettchen mit der Maserung biegen, sind wichtige Holzfasern
durchtrennt worden - besser das festere nehmen.
So viel zur Einleitung spalten oder Sägen.
Optimalstes Tonholz ist gespalten, weil es sich an den Zellwänden
trennt. Jetzt erinnere man sich an das letzte Holzhacken. Fichte kann
man leicht spalten, aber Ahorn!? Bei Harthölzern ist man sich einig,
dass gutes Augenmaß beim Sägen ausreicht, um gutes Tonholz
zu erhalten. Fichtenrundholz wird am besten vorgespalten und dann auf
der Säge weiter getrennt.
Je mehr Handarbeit im Veredelungsprozess steckt, umso teurer wird das
Produkt. Dies ist auch der Grund, warum überwiegend industriell erzeugtes
Tonholz fast ausschließlich gesägt ist. Es ist schneller und
kostengünstiger den Stamm zuerst auf die ganze Länge in Viertel
oder Achtel zu schneiden, als den Stamm zuerst auf 50-65cm Stücke
abzulängen, diese dann zu spalten und dann die Viertel oder Achtel
klein zu sägen.
Hier sieht man das Spalten eines Fichtenabschnitts.
Meine Stämme sahen beim Sägen wie folgt aus:
Diese Viertel und Achtelstämme müssen nun auf Rohholzlänge
abgeschnitten werden. Ich schnitt zumeist auf 650 und 900mm Länge.
Wird das nasse Fichten-Holz nicht innerhalb der nächsten 2-3 Tage
weiterverarbeitet, Fängt es an an den Stirnflächen zu reißen.
Das hat die Ursache darin, dass die Zellen an den Stirnflächen offen
sind und hier mehr Feuchtigkeit abgegeben werden kann. Hierdurch trocknet
das Holz ungleichmäßig und es entstehen Spannungsrisse. Diese
können dadurch vermieden werden, dass das Holz entweder kühl
und feucht gelagert wird oder die Stirnflächen versiegelt werden.
Hierzu kann gibt es professionelle Polyesterverbindungen in Dispersion,
viel einfacher und billiger sind Latex-Farbreste oder billiger Weißleim.
Ahorn ist hier nicht so kritisch. Stellt man diesen für ein paar
Tage auf die Stirnfläche, so "läuft" das Wasser regelrecht
heraus. Hier wiederum muss aufgepasst werden, dass die Stirnflächen
nicht anfangen zu Stocken und Fäulnis und Verfärbungen in das
Holz eindringen.
Weiterverarbeitung auf der Bandsäge:
Ich habe die Stammabschnitte auf einer normalen Schreinerbandsäge
weiterverarbeitet. Diese hatte einen Rollendurchmesser von 600mm und war
angetrieben durch einen 2,2kW Motor. Damit ich verschiedene Winkel und
Dicken einstellen konnte, baute ich mir einen variablen Anschlag. Über
Markierungen an der Säge und dem Anschlag konnte ich von Schnitt
zu Schnitt die gewünschte Stärke oder den Winkel einstellen.
Das Sägeblatt war 30mm breit und sehr stark geschränkt umd die
nassen Späne gut weg zu transportieren. Das Sägeblatt wurde
insgesamt 3x in dieser Zeit geschärft!
Mit großem Kraftaufwand müssen die Abschnitte auf den Tisch
gelegt werden. Mit mäßiger Kraft muss das Holz gegen den Anschlag
und das Sägeblatt gedrückt werden.
Die großen Stammviertel hatten ein Gewicht von gut 50-60kg!
Was ich zuerst nicht glauben konnte: Ahorn lässt sich um ein vielfaches
besser verarbeiten, als das wesentlich leichtere und weichere Fichtenholz!
Die Ursache liegt darin, dass Fichtenspäne viel mehr Harz besitzen
welche das Sägeblatt zusetzen, verschmieren und so den Spänetransport
stark behindern. Etwa jede Stunde musste das Sägeblatt mit einem
Spezialmittel vom Harz gereinigt werden (Bitte Hanschuhe und Brille aufsetzen
- nicht gerade gesund das Zeug!).
Meine Meinung aus heutiger Sicht zum Bandsägen:
- Der Antriebsmotor war eigentlich zu schwach, 4 oder 7 Kw bei Handvorschub
sind wesentlich besser. Bei Schnittiefen von etwas mehr als 30cm (!)
in Hartholz ist eine normale Säge schnell überlastet. Ich
baute mir einen Innen-/Außentermometer mit dem Außenfühler
zwischen den Kühlrippen des Motors an die Säge. So konnte
ich jederzeit sehen, wie stark der Motor belastet war und konnte auch
mal eine Pause machen wenn er zu heiß wurde. Übrigens konnte
man auch anhand der Temperatur erkennen, wie die Schärfe des Blattes
nachließ! Wichtig ist auch die Kontrolle einer optimalen Motorbelüftung.
- Der Rollendurchmesser sollte auch größer sein, da es dann
möglich ist, ein 40-50mm breites Sägeblatt zu verwenden. Breitere
Sägeblätter verlaufen nicht so stark. Je stumpfer die Säge
wurde, umso mehr verlief sich nämlich das Baltt und der Holzklotz
musste zusehends abgerichtet werden.
- Die Blattführung muss immer gut gefettet und geölt sein,
sonst geht sie kaputt
- Ein maschineller Vorschub erleichter die Arbeit ungemein
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