Bundsäge mit digitalem Maßstab
Hier gebe ich etwas Basiswissen zum Thema
Bünde sägen und zeige eine von mir entworfene und gebaute Säge
zum einsägen der Bundstäbchen in das Griffbrett
Zum Einsägen von Schlitzen in das Griffbrettholz gibt es
zahlreiche Methoden. Zum einen unterscheidet man die "Hammermethode"
von der "Einklebemethode". Beim Einhämmern sind die eingesägten
Schlitze um einige Hundertstel grösser als der Bunddrahtfuss und man nutzt
die kleinen Widerhaken des Bunddrahtes um sicheren Sitz des Bundstäbchens
zu gewährleisten. Bei der Einklebemethode (sie wird (je nach angehörendem
Glauben) bei der Reparatur eingesetzt) sägt man die Schlitze für die Bundstäbchen
so gross, dass der Bunddrahtfuss leicht einfällt aber nicht seitlich wackeln
kann. Die Festigkeit bekommt man durch das Einkleben der Stäbchen mit
Epoxi (iiih, also je nach Glaben). Grundsätzlich hat man drei Parameter,
die einen guten Schlitz beeinflussen:
- genaue Position
- Schlitzbreite
- Schlitztiefe
Je nach verwendeter Mensur änden sich die Positionen
auf dem Griffbrett. Da die alten Meister damals mit einfachen Sägen, Zirkeln
und Linealen gearbeitet haben und man bekam wohlklingende Töne aus diesen
Instrumenten, meine ich, dass eine Genauigkeit von ±0,075mm je Bundstab
(absolut) den heutigen Anforderungen entspricht und vollkommend ausreichend
ist.
Die Schlitzbreite richtet sich natürlich nach dem
verwendeten Bunddraht. Man misst mit einer Schieblehre einfach den Drahtfuss
ohne Widerhaken und kommt etwa bei 0.6mm heraus. Eine Breite von 0,65mm
würde ich hier benutzen. Je nach Sägeblatt und Feingefühl kommt bei einer
Sägeblattstärke von 0,5 auch mal 0,65 heraus. Man soll unbedingt Versuche
dazu machen. Lässt sich der Draht mit dem Fingenagel leicht heraushebeln
ist der Schlitz zu breit, muss man beim Einklopfen schon stark zuhauen,
wird das hinterher ein ganz arg nach hinten gebogener Hals, da jeder eingeschlagene
Draht wie ein Keil den Hals unter Spannung setzt. Mit einer einfachen
Fühlerlehre kann man dann die Schlitzbreite messen und entsprechend die
Sägeblattstärke variieren.
Die ideale Schlitztiefe ist dann erreicht, wenn der
Drahtfuss nach dem einsetzen gerade nicht den Schlitzgrund berührt. Da
die meisten modernen Stahlsaiten-Gitarren heutzutage gewölbte Griffbretter
haben, ist es mit der gleichmässigen Tiefe bei den meisten Herstellern
fertigungsbedingt eh nicht weit her. Man sägt nämlich in einem Satz gerade
durch das Holz, hat an den äussersten Griffbrettseiten also die ideale
Tiefe und an der Mitte der Wölbung einen Luftspalt von bis zu 1,5mm. Dies
hat zur Folge, dass man zum einen Sustain verliert und zum anderen Steifigkeit
des Halses.
Es gibt auch verschiedene Einsägetechniken. Wenn
jemand nur immer eine Mensurlänge baut, eignet sich hervorragend eine
motorisch angetriebene Welle auf der in den richtigen Abständen etwa Ø100mm
grosse Kreissägeblätter in der richtigen stärke aufgereiht sind. Auf einem
Schiebeschlitten fährt man das Griffbrett auf einmal über alle Sägeblätter
- fertig. Eine andere Methode ist die mit der Kreissäge: man sägt jeden
Schlitz einzeln indem man auf die Oberseite des Griffbrettes eine Schablone
aus Plexiglas befestigt in deren Aussparungen ein kleiner Stift passt.
nach jedem Schlitz versetzt man einfach die Schablone (kaufbar beim Spezialversand).
Eine Handmethode ist die auf der Handsägevorrichtung (Gehrungssäge).
Wieder über eine Schablone und Stift geführt versetzt man das Griffbrett
nach jedem Schlitz nur, dass man den Schlitz mit einer Feinsäge von Hand
einsägt. Meine Methode ist eine Art Kombination, es bewegt sich nicht
das Holz, sondern die Säge wird seitlich verschoben. Über einige Zeit
habe ich die Vorrichtung auch weiterentwickelt. Beide Varianten arbeiten
hervorragend, bei der ersten muss man halt von Hand sägen, bei der unten
beschriebenen hat sich am prizipiellen Aufbau nichts geändert, nur dass
ich einen Motor angebaut habe und die Feineinstellung wesentlich einfacher
ist.
Aufbau I:
Holzgrundplatte, Linearachse auf der Unterseite. An dem
Führungswagen ist die Sägeführung angebracht (Seitlich und in der
Höhe). Der Führungswagen hat eine Verbindung an einen stationären Digitalmassstab
aus einer Werkzeugbearbeitungsmaschine. Über ein Auslesegerät kann ich
jede beliebige Position bestimmen und anfahren. Ich habe mir eine Tabelle
für die gebräuchlichsten Mensuren gemacht und stelle den Führungswagen
an die Position und klemme mit einer Flügelmutter von unten den Wagen.
Schneller geht es, wenn ich eine Plexiglass Schablone verwende. Diese
klemme ich auf die Holzgrundplatte und über einen schwenkbaren Holzklotz
mit passendem Stift fahre ich die benötigten Positionen an.
Aufbau II:
Holzgrundplatte, Linearachse auf der Unterseite wie oben
beschrieben nur dass ich einige Verbesserungen eingebaut habe:
- Motorisch betrieben
- Schlitztiefeneinstellung über Mikrometerschraube
- Schlitztiefe veränderlich, da Sägeblatt über Kolisse geführt wird
- Sowohl Griffbretter als auch ganze Hälse können eingelebt werden
- Quersupport spindelbetrieben
- Klemmung verbessert
Die Konstruktion hat mich einige Tage gekostet und die Fertigung
auf CNC-Maschinen als Einzelanfertigungen sind auch nicht gerade billig.
Als ich aber dann das Sägebild sah, die Festigkeit des fertigen Halses
spürte, wusste ich, dass sich die Investition gelohnt hatte.
Tipps
-
Griffbretter mit doppelseitigem Klebeband befestigen
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Beim Handsägen reisst gerne Holz auf der Stossseite
der Säge aus (hinterher erst auf das Endmass hobeln)
-
Statt digitalem Massstab geht auch eine umgebaute
Schieblehre mit Noniusskala in entsprechender länge (günstiger)
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